Roadtrip – Welcome to Miami

Von Richard Lehmann / November, 3, 2016 / 0 Kommentare

Meine kleine Reise startet am Miami Airport. Ich habe einen wunderbaren 10-stündigen Flug bei 27°C Bord-Temperatur hinter mir. Ich denke, der Kapitän wollte uns auf das wunderbare Wetter in Florida einstimmen und hat die Klimaanlage auf „Schweißgeruch“  gestellt.

Macht nix. Dafür werden wir bei der Ankunft mit einem wunderbaren Sonnenuntergang über der Skyline belohnt. Ich steige aus dem Flugzeug und habe spontan Will Smith’s „Miami“ im Kopf.

„This the type of town I could spend a few days in, Miami the city that keeps the roof blazing.“

Ich laufe durch ewig lange Flure und suche die Passkontrolle.

„Party in the city where the heat is on. All night on the beach til the break of dawn.“

15 Minuten später stehe ich in der ersten Warteschlange. Diese führt zu einen Raum voller Menschen, die vor lustigen Automaten stehen, Fingerabdrücke abgeben und ein Foto von sich machen lassen. Auch ich gehe an so einen Automaten, gebe meine Fingerabdrücke ab, halte mein verschlafenes Gesicht in die Kamera und beantworte einen Fragenkatalog. Anschließend sagt der Automat, dass meine Autorisierung fehlgeschlagen sei und druckt einen Beleg aus, auf dem ein großes Kreuz über mein Gesicht gelegt wurde. Da bin ich wohl erstmal abglehnt.
So nehme ich also meinen Beleg mit und stelle mich an der zweiten Schlange an. Grundsätzlich hat jeder ein großes Kreuz auf sein Gesicht bekommen. Wozu dann diese Automaten da sind, weiß aber niemand. So stehen wir nun. Geschätzt 120 kreuz-gesichtige Leute vor mir in der Schlange und wenig später mindestens genausoviel Leute hinter mir.  Eine Stunde später habe ich es geschafft.
Ich verlasse das Flughafengebäude und lade meine Gepäck in ein leicht heruntergekommen wirkendes Taxi. Der Taxifahrer ist erfrischend nett, kennt sich nur dummerweise absolut nicht in Miami aus. Nach mehrmaligen Nachfragen, gebe ich meine Zieladresse schließlich in sein Navi ein. Er kann das leider nicht, denn mit der modernen Technik kennt er sich auch nicht aus. Außerdem scheint er so schlechte Augen zu haben, dass er die Adresse nicht lesen kann. Der gute Mann ist während der gesamten Fahrt extrem damit beschäftigt, alle anderen Mitfahrer zu anzupöbeln, ihnen die Vorfahrt zu nehmen und unverständliche Sachen vor sich hinzumurmeln.
Habe ich schon erwähnt, dass er eine Polizeiauto förmlich über die Straßenkreuzung gehupt hat? Das scheint aber niemanden zu stören. Genauso wenig, wie sein nicht funktionierendes Licht. Naja, in der Stadt ist es ja auch so hell genug.

„All night on the beach til the break of dawn. I’m going to Miami, welcome to Miami.“

Vielleicht verstehe ich ihn aber auch nur deswegen so schlecht, weil die Klappergeräusche des Taxis ein alles überlagern. Nachdem er sich trotz Navi ein paar Mal verfahren hat, bringt mich mein maulender Taxifahrer schließlich ans Ziel.
Ich packe meine Sachen aus und suche etwas zu Essen. Gleich um die Ecke, zwei Blocks weiter, finde ich eine nette kleine spanische Bar, wo die Mama des Hauses noch persönlich den Kochlöffel schwingt. Ich will durch die Tür treten, laufe aber erstmal gegen eine Wand aus kreischend lauten spanischen Disko-Pop-Songs. Endlich an der Bar angekommen, will ich mir ein Sandwich bestellen.
Ich schreie die Bardame an. Die Bardame schreit über die laute Musik hinweg die Küchen-Mama an. Die Küchen-Mama bleibt 20 Meter von uns entfernt stehen und schreit zu mir rüber. Ich antwort-schreie in einem Mix aus Englisch und schlechtem Spanisch zurück. Küchen-Mama schreit wiederrum zur Bardame, welche gerade angefangen hat, laut zu singen. Aus dem Gästeraum kommt eine weitere Dame, die in den Gesang einstimmt und sich selbst ein Bier zapft. Ich verliere den Überblick. Wer arbeitet jetzt eigentlich nochmal hier und was bekomme ich zu essen? Die Küchen-Mama verschwindet in der Küche und macht sich ans Werk. Ich bleibe an der Bar sitzen, trinke eine Pepsi und schau den Damen hinter der Bar beim Singen zu. Man muss diese Stadt einfach lieben.
Nach einiger Zeit verlasse ich zusammen mit meiner Sandwich-Tüte die Bar und laufe zurück zu meiner Unterkunft.
Dort angekommen, schalte ich den Fernseher an und schaue Sandwich essend Wrestling an. Ich glaube, ich bin in den USA angekommen.

„Bouncin‘ in the club where the heat is on
All night on the beach til the break of dawn.
I’m going to Miami, welcome to Miami“

(Klick auf die Bilder für eine größere Ansicht)

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