Mit sich selbst ins Gericht gehen | Fotoshooting mit Lissy

Von Richard Lehmann / Mai, 29, 2014 / 0 Kommentare

Es ist wieder einmal Zeit. Zeit, ein Modell ins Fotostudio einzuladen, die Kamera einzupacken und sich einen Nachmittag lang auszutoben, bis einem der Kopf glüht. Ideen ausprobieren, einen riesigen Haufen Müll produzieren und am Ende vielleicht das ein oder andere Bild am Monitor zu sehen, was eigentlich ziemlich cool geworden ist.
Sehr lange Zeit habe ich bei meinen freien Fotoshootings den Fehler gemacht, es anderen Leuten recht machen zu wollen, ihnen zu gefallen und möglichst viel Anerkennung zu kassieren. „Torben-Hendrik hat dein Bild zu seinen Favoriten hinzugefügt“. Yeah, geile Sache. Schon lange vor Facebook, Twitter und Instagram habe ich meine Bilder auf verschiedenen Webseiten hochgeladen und habe sehnsüchtig darauf gewartet, dass Torben-Hendrik und all die anderen sich endlich für meine Fotos begeistern.

Wenn ich so auf die Fotos dieser Zeit zurückschaue, ist eigentlich kein Bild dabei, welches ich mir heute an die Wand hängen würde. Langweilig und austauschbar. Hab ich alles schon mal irgendwie, irgendwo von irgendeinem anderen Fotografen gesehen. Richard, der große Fotograf…oder eher Foto-Macher.
Irgendwie ist diese Erkenntnis sehr ernüchternd ziemlich scheiße und braucht erstmal eine Weile, ehe ich mich damit anfreunden kann. Ich arbeite noch daran.
Also, zurück auf Los, ziehe keine 2000,00 Euro ein und leb damit, dass du es eh nicht allen recht machen kannst. Wenn du endlich aufhörst, ständig sekündlich einen Blick auf deine „Like-Statistik“ zu werfen und einen Scheiß darauf gibst, ob die Facebook-Gemeinschaft sich vor Freude in die Unterhosen pullert, wenn andere Fotografen zum 270. mal das gleiche Motiv mit der gleichen Nichts-Aussage und dem gleichen Typ Mensch hochladen…dann fängst du tatsächlich wieder an, du selbst in deinen Fotos zu sein. Seit einigen Monaten versuch ich nun genau diesen Weg einzuschlagen.
Es macht Arbeit, nicht sofort wieder in alte Muster zu rutschen und erfordert manche Tage ein hohes Maß an Selbstbeherrschung, auf den alltäglichen Einheitsbrei aus voll kreativen und super-gehypten Foto-Ramsch gelassen zu reagieren.

Mittlerweise bin ich glücklicher mit meinen Fotos und kann prima damit leben, wenn ich nach einem Shooting nur wenige Fotos aussuche, die mir wirklich gefallen. Ist mir recht…dafür haben meine Fotos Seele.

Bei unserem letzten Shooting luden wir uns Lissy aus Hohenstein ins Fotostudio ein. Anfangs starteten wir mit einem stark reduzierten Portraitshooting ohne aufwändiges Make-up, Licht und Theatralik…nur Lissy, nicht mehr und nicht weniger. Man, wie ich diese Fotos liebe.
Danach durfte Erika in die bunte Überraschungskiste greifen. Leuchtende Farben, eine leicht abgedrehte Frisur und ein Outfit bestehend aus rosafarbenen Tutu und Verbands-Material. Als Location wählten wir ein uriges Gewächshaus unserer Lieblingsfloristin. Das alles klingt doch nach einer Menge Spaß.
Zwischen Salatköpfen, kleinen Krabbeltierchen und wilden Blumenranken steht unsere kleine Lissy und sieht einfach nur bezaubernd aus. Ich würde sie gerne behalten…
Vielen Dank, liebe Lissy, für deine Geduld und den Spaß, den wir mit dir haben durften.

(Klick auf die Bilder für eine größere Ansicht)

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